Die e-Society ist eine Konferenzreihe, die die IADIS seit 2003 alljährlich veranstaltet und sich den technischen und den nicht-technischen Aspekten der Informationsgesellschaft widmet. Dies spiegelte sich auch im diesjährigen Konferenzprogramm (Februar 2009 in Barcelona, Spanien) wieder. Das Themenspektrum reichte von Fragen der Akzeptanz von E-Learning bei Studenten und Dozenten (Goemann, 2009) über Anwendung von Ontologien zur Unterstützung von öffentlichen Verwaltungsprozessen (Prieto und Lozano-Tello, 2009) bis zu Fallstudien über B2B-Marktplatzmodelle in Thailand (Arch-int und Jakkuphan, 2009) .
Einen genaueren Blick sind im Nachgang die Beiträge von O’Reilly (2009) und Jackson et al. (2009) wert. Beide beschäftigen sich mit den Auswirkungen von Informationstechnologien auf die Kinder und Jugendliche. Im Fall von O’Reilly das Internet und im Fall Jackson et al. Computerspiele und Mobiltelefone. Also ein Themenkomplex der in den Medien zuletzt häufig vertreten war.
O’Reilly beschäftigt sich in seinem Beitrag, in wie weit das Internet eine Gefahr oder Risiko für Kinder und Jugendlich darstellt. Hierbei handelt es sich um eine empirische Untersuchen, bei der rund 1000 Kinder zwischen 9 und 13 Jahre befragt wurden. Kernthese von O’Reilly ist, daß Kinder nicht alle den gleich Gefahren- oder Rikisopotential ausgesetzt sind, sondern daß das Alter — oder genauer der Entwicklungsstand — eine wesentliche Rolle spielt. Die Auswertung seiner Studie lassen O’Reilly den Schluß ziehen, daß das Risiko mit dem Alter und Entwicklungsgrad abnehmen, obwohl die Häufigkeit des Internetnutzung zunimmt. U. a. dadurch, daß die Kinder ihr Verhalten anpassen und z. B. mit ihren eigenen Daten im Internet verantwortungsvoller umgehen. In dieser Hinsicht sicherlich ein interessanter Beitrag, da er die Debatte um Gefahren im Internet für Kinder objektiviert, und es dadurch erlaubt, die Altersgruppen in den Blick zu nehmen, die wirklich gefährt sind. Wie und wo die Kinder den verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet lernen, bleibt hier aber unbeantwortet.
Jackson et al. berichten von ihrer ebenfalls empirischen Untersuchung der Auswirkungen von Computerspielen und Mobiltelefonnutzung auf Kinder (hier 12 Jahre alt) und deren Lernleistung haben. Und sie habe hier “some good news” zu verkünden: (1) Die Nutzung von Mobiltelefonen hat keinerlei Einfluß auf die Lernleistung der Kinder, und (2) Computerspielen verbessert das visuell-räumliche Wahrnehmungsvermögen, führt aber zu einem schlechterem Abschneiden in standardisierten Mathematiktests. Vielmehr beobachten Jackson et al. hier, daß je stärker (durch Computerspiele) die kognitiven Fähigkeiten der Kinder entwickelt sind, desto mehr werden die visuell-räumlich Fähigkeiten mit den mathematischen integriert. Und genau diese Intergration von Fähigkeiten sei “essential for solving problems at higher levels of science, technology, engineering and mathematics” (Jackson et. al, 2009, S. 335). Welche Schlußfolgerungen daraus für die Praxis gezogen werden können, bleiben Jackson et al. jedoch schuldig. Sie bleiben hier ganz den rigour verpflichtet und zeigen lediglich neue Forschungsfragen auf.
Referenzierte Aufsätze im Tagungsband der e-Society 2009, Band 1:
- Arch-int, S. A. and Jakkuphan, W. (2009) B2B Marketplace Model for Supply Chain Management Using RossettaNet and Web Service Standard: A Case Study of Motorcycleparts Industry in Thailand, S. 379-386.
- Goemann, K. (2009) Student’s and Educators’ Attitudes Towards E-Learning, S. 292-298.
- Jackson, L., Eye, A. v., Fitzgeral, H. E., Witt, E. A. and Zhao, W. (2009) Videogame Playing, Cell Phone Use and Academic Perfomance: Some Good News, S. 339-346.
- O’Reilly, D. (2009) Some Are More Equal Than Others: Children’s Internet Safty, S. 11-18.
- Prieto, Á. E. and Lozano-Tello, A. (2009) Ontologies for Definition and Management of E-Administration Processes, S. 415-422.
